Schon für Kindergärtler: Schleichwerbung im Klassenzimmer

By Moritz Kaufmann

Firmen sponsern Lehrmittel und stellen sie Pädagogen häufig sogar gratis zur Verfügung. Bereits die Jüngsten kommen so mit den Produkten in Kontakt.

Sich Kärtchen einprägen, sie aufdecken, belohnt werden: Memory ist beliebt bei Kindergärtnern, ein bubieinfaches Spiel. Doch was, wenn sich die Kinder kommerzielle Produkte merken sollen – und das auch noch im Unterricht?

Dann ist es ein Problem, findet Franziska Peterhans (59), Zentralsekretärin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). Ihre Kritik richtet sich gegen ein Angebot der Aargauer Firma Kiknet. Die hat mit dem Stiftehersteller Stabilo ein ganzes Lehrmittelset für die Stufe „Kindergarten-Unterstufe» entwickelt. Zum Beispiel ein Memory, bei dem die Kinder Stabilo-Stifte erkennen sollen.

„Für mich ist das Schleichwerbung, zumal ja die Zielgruppe der Kinder jung ist», sagt Peterhans. Sie fände das Memory eher passend als Lehrmittel in der Oberstufe – um das Thema Beeinflussung und Schleichwerbung zu thematisieren. „Aber dafür ist das Spiel ja nicht gedacht.»

Charta für Bildungssponsering

Die Firma Kiknet verdient ihr Geld damit, Lehrmittel mit Firmen, Organisationen oder Bundesämtern zu entwickeln. Die stellt sie dann Lehrern für den Unterricht gratis zur Verfügung – weshalb das Unternehmen immer wieder in der Kritik steht. Auf das Memory angesprochen, kündet Kiknet-Chef Reto Braun (40) an, die Unterrichtsmaterialien zusammen mit Stabilo zu überarbeiten. „Die neuen Unterlagen enthalten das von Ihnen erwähnte Memory nicht», verspricht der ausgebildete Lehrer.

Doch nicht nur das Memory sorgt für Kritik. Unter der Kategorie „Bewegung und Sport» gibt es ein Kiknet-Angebot des japanischen Konsolenherstellers Nintendo. Lehrer können ein Set von Computerkonsolen samt Spielen kostenlos für ihre Schüler ausleihen. „Bewegtes Lernen findet auch ohne Nintendo im Unterricht statt», so Peterhans. Sie sagt aber auch: „Kiknet ist eine beliebte Plattform bei Lehrern.» Kiknet-Chef Braun bestätigt: „Als das Nintendo-Angebot neu aufgeschaltet wurde, stiess es auf grosses Interesse und die Wartezeiten waren teilweise lang.»

Um zu verhindern,

Source:: Blick.ch – Wirtschaft

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