Kommentar zum Verhältnis Mensch und Tier: Eine so erfolgreiche wie leidvolle Geschäftsbeziehung

By Gieri Cavelty

Gieri Cavelty: Chefredaktor SonntagsBLICK

Mensch und Vieh unterhalten eine ebenso alte wie merkwürdige Geschäftsbeziehung. Seit zehntausend Jahren kümmern wir uns um den Fortbestand unserer Nutztiere. Und zwar mit Erfolg: Heute bevölkern rund
750 Millionen Schweine die Erde, Kühe gibt es eine Milliarde, Hühner weit über 20 Milliarden.

Rein statistisch betrachtet, darf das Vieh also zufrieden sein.

Das mag zynisch klingen. Man muss sich allerdings nur einmal das Schicksal jener Lebewesen vor Augen führen, die der Mensch nicht für seine Zwecke eingespannt hat. Mindestens 200 grosse Säugetierarten hat er ausgerottet. Von den verbliebenen ist jede vierte vom Aussterben bedroht.

Und klar ist: Das einzelne Nutztier zahlt einen hohen Preis für das Gedeihen seiner Gattung. Dabei ist, wie der israelische Zukunftsforscher Yuval Harari bemerkt, weniger der schnelle Tod im Schlachthof das Problem, als das Leben davor. Harari formuliert es so: „Der Kern des Problems besteht darin, dass domestizierte Tiere von ihren wilden Vorfahren soziale und emotionale Bedürfnisse geerbt haben, die auf den Bauernhöfen überflüssig sind. Die Bauern ignorieren diese Bedürfnisse, ohne dass ihnen daraus ein wirtschaftlicher Nachteil erwächst.»

Nur ein Beispiel: das Schwein. Es ist intelligent. Im Spiegel erkennt sich das Tier selbst, es merkt sich Wörter, man kann ihm einfache Computerspiele beibringen. Ein Schwein teilt den Artgenossen jederzeit seine Befindlichkeit mit. Das sind staunenswerte Eigenschaften. Im engen Stall mit Betonboden freilich benötigt es weder Schlauheit noch Sozialkompetenz. Im Gegenteil: Sie verleiden dem Schwein das Leben erst recht.

Der SonntagsBlick ist nicht das Medium, das seiner Leserschaft die vegetarische Lebensweise predigen will. Mit unserer Berichterstattung können wir Sie aber vielleicht etwas für die kritischen Punkte der Nutztierhaltung sensibilisieren.

Der Tierschutz macht unbestreitbar Fortschritte. Bis vor wenigen Jahren behandelte das Schweizer Recht die Tiere als blosse Sache. Das Gesetz wurde geändert, heute geniessen Tiere offiziell den Status leidensfähiger Kreaturen. Allerdings räumt ihnen das Recht lediglich ein

Source:: Blick.ch – Schweiz

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