Ortstermin in einem Naturafarm-Betrieb: Sie haben noch Schwein gehabt

By Florian Blumer

Auch Label-Haltung ist nicht völlig artgerecht. Aber den Tieren geht es besser als auf konventionellen Höfen.

Dicke Post für Coop und das Coop-Tierwohl-Label „Naturafarm»: die neuste Ausgabe der „VgT-Nachrichten» vom Verein gegen Tierfabriken Schweiz (VgT). Sie wurde an 500’000 Haushalte verteilt und zeigt heimliche Aufnahmen von Naturafarm-Ställen – wie es heisst, „die traurige Realität hinter der verlogenen Coop-Werbung»: Schweine auf verdrecktem Betonboden in einem dunklen Stall, daneben glückliche Ferkel im Stroh, wie man sie aus der Werbung kennt. Naturafarm, ein einziger Betrug am gutgläubigen Kunden?

SonntagsBlick wollte es genau wissen. Und ging mit Anne-Kathrin Witschi (37) vom Kontrolldienst des Schweizer Tierschutzes (STS) auf unangemeldeten Besuch beim Naturafarm-Betrieb.

Antibiotika-Prophylaxe wäre bei Naturafarm nicht verboten

Auf dem Hof von Schweinemäster Hans Albisser im luzernischen Ruswil treffen wir lebhafte Tiere an: Sie nagen an den Schuhen des Reporters und beissen den Fotografen in die Wade. Ein gutes Zeichen, sagt Witschi. Der Luzerner Bauer bekommt von der Kontrolleurin Bestnoten – und ein Sonderlob dafür, dass er auf Antibiotika-Prophylaxe bei der Einstallung verzichtet. Dies ist bei Naturafarm nämlich nicht verboten. Der Hof Neulinde ist mit seinen 252 Mastplätzen ein typischer, mittelgrosser Label-Betrieb. Das heisst: Die Tiere haben fast doppelt so viel Platz wie ihre konventionell gehaltenen Artgenossen und verfügen über permanenten Zugang zu ­einem befestigten Auslauf im Freien.

24 Schweine auf 41 Quadratmetern

Doch auch dort stehen und liegen sie auf strohbedecktem Betonboden, der zur Hälfte überdacht ist. Gemäss Naturafarm-Norm hält Albisser in zehn Buchten à 41 Quadratmeter Gesamtfläche jeweils 24 Schweine – nicht gerade üppig für die bewegungslustigen und intelligenten Tiere.

Kontrolleurin Witschi: „Naturafarm ist ein guter Kompromiss.» Die Schweine seien hier lebhafter als in konventionellen Haltungssystemen – aber auch deutlich weniger lebhaft als Alpsäuli mit Naturbodenauslauf zum Wühlen: „Artgerecht wäre eigentlich diese Haltung.»

Hansuli Huber, Geschäftsführer des STS: „Auch die Tierhaltung in Label-Betrieben

Source:: Blick.ch – Schweiz

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