Repression mit Happy End

By Ulrich Fischer Alan Ayckbourns „The Divide“ in Edinburgh uraufgeführt

EDINBURGH. Alan Ayckbourn ist ein Theatermann im umfassenden Sinn: Schauspieler, Regisseur, Theaterleiter und vor allem Dramatiker. Seine Stücke werden oft aufgeführt, nicht nur in der englischsprachigen Welt. Jetzt ist Ayckbourn, ein alter Meister Ende siebzig (Jg. 1939), der Enge des Theater müde geworden – und hat etwas geschrieben, das die Grenzen sprengt: „The Divide“ (der Titel ist mehrdeutig, vielleicht: „Das Trennende“.) Der Stoff ist noch nicht ganz zu einem Roman gediehen, da haben Freunde aus dem Theater sich des Projekts angenommen und ihn für die Bühne adaptiert. Obwohl er ein Riesenpersonal braucht, obwohl laufend Ortswechsel stattfinden – das Old Vic aus London und das Edinburgh International Festival haben unter tätiger Hilfe von Mäzenen den Brocken gestemmt. Am Freitag war Uraufführung im King’s Theatre in Edinburgh, ein alter Kasten, der auch schon bessere Tage gesehen hat.

Scheidelinien

„The Divide“, so hieß es im Vorfeld, sei eine negative Utopie, habe etwas mit Science Fiction zu tun -aber diese Einschätzungen führen eher in die Irre. Zwar spielt das Stück in der Zukunft, aber es geht im Kern um eine Kritik der repressiven Gesellschaft, insbesondere in ihrer puritanischen Spielart – und da ist Edinburgh genau der rechte Ort, hier hat John Knox, ein grimmiger Reformator, blutige Spuren hinterlassen.

Das Stück ist ein Zweiteiler, dauert zweimal drei Stunden, und ist wegen seiner vielen überraschenden Wendungen unübersichtlich. Der beste Teil attackiert die Erziehung. Sie ist körper- und sexualfeindlich. Die Unwissenheit der Kinder und Adoleszenten nutzen die zunächst unsichtbar bleibenden Autoritäten aus: Die junge Generation soll unwissend bleiben und blind gehorchen – um zu braven Untertanen heranzuwachsen. Ihnen wird erzählt, Frauen seien unrein und Männer fingen sich eine tödliche Krankheit ein, wenn sie sich verliebten oder gar das Undenkbare und Unaussprechliche täten. Die Vorurteile sind haarsträubend, aber sie sind noch gar nicht

Source:: The Huffington Post – Germany

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