Juncker will Osterweiterung der Währungsunion: Hat die EU nichts gelernt aus der Griechenland-Krise?

By Bastian Heiniger

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat sich am Mittwoch in Strassburg vor dem EU-Parlament optimistisch zur Zukunft Europas gezeigt. In seiner rede zur Lage der Union forderte er den Euro- und Schengen-Beitritt aller EU-Staaten.

STRASSBURG FR –
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will den Euro auf alle Länder der Union ausweiten. Experten erklären, weshalb er damit scheitern wird.

Die Europäische Union soll enger zusammenrücken. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (62) fordert vor dem EU-Parlament: Der Euro müsse auf alle EU-Länder ausgeweitet werden. Er sei dazu bestimmt, „die einheitliche Währung der EU als Ganzes zu sein.»

Juncker will ein Euro-Beitritts-Instrument schaffen – es soll den Staaten technische und finanzielle Hilfe bieten, um den Euro einzuführen. Die Forderung ist pikant: Von 28 EU-Staaten wird heute lediglich in 19 mit dem Euro bezahlt. Neben Schweden und Dänemark würden neu Ostländer wie Bulgarien, Kroatien, Polen, Rumänien, Tschechien und Ungarn zum Euro-Land werden.

Länder, die eben nicht alle fit sind für die Einheitswährung. Das weckt Erinnerungen: Seit 2010 musste die EU schon drei Rettungspakete schnüren, um Griechenland vor dem Bankrott zu bewahren, fast 250 Milliarden Euro sind geflossen. Hat die EU aus der Griechenland-Krise nichts gelernt?

Juncker wolle damit visionär wirken

Das sieht zumindest Martin Neff (57) so: „Der Euroraum wird nicht stabiler, nur weil man ihn ausweitet», sagt der Chefökonom der Raiffeisenbank zu BLICK. Im Gegenteil: Die Forderung sei eine Flucht nach vorne, um vor eigenen Problemen abzulenken. „Denn die meisten EU-Länder sind noch immer hoch verschuldet.»

Neff sieht Junckers Äusserung als ein rein politisches Statement: Er wolle sein letztes Jahr als Kommissionspräsident mit einem markigen Ende abschliessen und visionär wirken. Dass die Ostländer in den nächsten Jahren den Euro übernehmen, glaubt Neff derzeit nicht. „Allerdings ist in der EU zuletzt vieles passiert, was man für unrealistisch hielt.»

Als unrealistisch bezeichnet die Juncker-Pläne Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann (51) von der Universität Zürich. „Der Euro ist noch nicht so stabil, wie er für einen solchen Schritt sein müsste», sagt er.

Gefährlich

Source:: Blick.ch – Wirtschaft

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