Extremsportlerin Evelyne Binsack über ihr grösstes Abenteuer: «Ich gebe nicht beim ersten Sturm auf»

By Interview: Franziska Müller

Vom Berner Oberland an den Nordpol: Die Expedition von Evelyne Binsack (50) wäre ohne Scheitern und persönliche Krisen unmöglich ­gewesen. Die Extremsportlerin über das Treffen mit einem Eisbären und das erste Butterbrot zu Hause.

Frau Binsack, man ­bezeichnet Sie als ­Abenteurerin, die sich den ­eigenen Grenzen stellt, aber auch über ihre ­Limiten hinausgeht. Andere ­halten sportliche Extrem­erfahrungen für Spinnerei.
Evelyne Binsack: Spinnerei bedeutet, etwas zu tun, ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein. Ich bin eine ausgebildete Bergführerin und erfahrene Alpinistin auf hohem Niveau. Das Risiko, am Berg oder auf einer Polar-Expedition zu sterben, ist natürlich trotzdem gross. Um zu überleben, hilft die ­Erfahrung und das Wissen über die eigenen physischen und psychischen Kräfte. Und Selbsterkenntnis.

Oder mit Jean Cocteaus Worten: „Man muss wissen, wie weit man zu weit gehen darf»?
Ja. Aufgeben ist tatsächlich die grösste Herausforderung, vor allem wenn man viel investiert hat. Viele Menschen scheitern daran, nicht scheitern zu können. Nicht nur am Berg und auf Expeditionen, auch im Berufsleben. An einem achttausend Meter hohen Berg kann ein Nichtscheiternkönnen relativ schnell zum Tod führen. Etwa wenn man die Symptome ­einer Höhenkrankheit ignoriert und nicht sofort absteigt. Auch bei der aktuellen Nordpol-Expedition musste ich die dritte Etappe auf Spitzbergen aufgrund extremer Wetterbedingungen schweren Herzens abbrechen. Alles andere wäre fahrlässig gewesen.

Haben solche Rückschläge ­trotzdem eine Auswirkung auf das Selbstvertrauen?
Sicher. Gleichzeitig vertraut man sich selbst umso mehr, im Wissen, dass man trotz Ehrgeiz und Verbissenheit nicht alle Risiken zulässt. Dass ich mich für die vierte und letzte Etappe zum Nordpol für die Sicherheit und somit für die Teamarbeit entschied, anstatt wie vorgesehen alleine zu gehen, war auf den Rückzug von der dritten Etappe ­zurückzuführen. Mit der neuen Planänderung tat ich mich anfänglich sehr schwer. Als ich erkannte, dass mir die sehr hohen Ansprüche an mich selbst im Weg stehen, empfand

Source:: Blick.ch – Schweiz

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