Gesetz zum Schutz von Prostituierten: Paragrafen und Papierkram: Über die neue Existenzangst von Bordellen

An einem trüben Dienstagnachmittag steuert Christoph Rohr seinen Ford-Kastenwagen in ein verschlafenes Gewerbegebiet am Rande Stuttgarts. Er parkt vor einem dreistöckigen Haus und nimmt seinen silbernen Aktenkoffer. Anna K.*, 42, erwartet ihn in Lederhosen. Hinter ihr stehen eine Streckbank, ein Gitterkäfig, ein Gynäkologenstuhl. Es ist Ruhepause im Sadomaso-Studio. Ungenutzt hängen die ledernen Handfesseln am Andreaskreuz.

Seit 20 Jahren leitet Anna K. das Studio, ihre Mitarbeiterinnen erfüllen ausgefallene Wünsche zahlungskräftiger Männer. Aber seit einem halben Jahr schlagen sie sich auch mit anderen Problemen herum.

„Bisher war es leichter, einen Puff aufzumachen als eine Pommesbude“

Im Sommer 2017 trat das „Gesetz zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen“ in Kraft, kurz „ProstSchG“: 38 Paragrafen, die es in sich haben. „Vier Kilo habe ich wegen dieses Bürokratiemonsters abgenommen“, klagt Anna. Sie, die „gestandene Domina“, verbringe schlaflose Nächte bei „Rechercheorgien“ im Internet, getrieben von der Angst, Details zu übersehen, Fristen zu verpassen, am Ende ihr Etablissement schließen zu müssen. So stieß sie auf die Website der „Rotlicht-Akademie“. Deshalb sitzt jetzt Christoph Rohr auf ihrer roten Ledercouch.

Rohr, 45, gelernter Industriekaufmann und Energieanlagentechniker, hat vor einem halben Jahr die Rotlicht-Akademie gegründet. Um sich hat er ein Netz von Experten geknüpft, Steuerfachanwälte, Verwaltungswirte, Baurechtler und Menschen wie Michael Beretin, ein als „Rotlicht-Experte“ bei RTL 2 bekannter Swingerclub-Manager.Sugardaddys Uni Paris_14.30

Rohr berät Huren und Bordellbesitzer. „Bisher war es leichter, einen Puff aufzumachen als eine Pommesbude. Das ist jetzt vorbei.“ Und nun läuft die Übergangsfrist aus. Bis Januar müssen Betreiber ihr Gewerbe anmelden, Prostituierte jeden Geschlechts müssen zur Gesundheitsberatung gehen und einen Ausweis bei sich führen, in der Szene „Hurenpass“ genannt. Bordellbetreibern drohen bei Verstößen Bußgelder bis zu 50.000 Euro.

Der Versuch, Ordnung ins Milieu zu bringen und Sexarbeiterinnen zu schützen, überfordert nicht nur die Branche.

Source:: Stern – Wirtschaft

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