Pierin Vincenz seit 77 Tagen hinter Gitter: Deshalb ist lange U-Haft bei Wirtschaftsdelikten normal

By Thomas Schlittler

Pierin Vincenz sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft. Immer öfter kommt die Frage auf, was eine so lange U-Haft rechtfertigen könnte. In den Fokus der Diskussionen rückt dabei je länger, je mehr Staatsanwalt Marc Jean-Richard-dit-Bressel, der die U-Haft beantragt hat.

Am Freitag feierte Pierin Vincenz seinen 62. Geburtstag. Wobei: „Feiern» ist wohl das falsche Wort. Denn der langjährige Raiffeisen-Chef und sein Geschäftspartner Beat Stocker sitzen nach wie vor in Zürcher Untersuchungshaft.

77 Tage Freiheitsentzug. Mehr als 1800 Stunden in einer kleinen Zelle. Über 100’000 Minuten an die Decke starren. Dabei stets die Frage im Kopf: Wie lange noch?

Staatsanwalt steht im Fokus

Und darüber wird auch ausserhalb der Gefängnismauern gerätselt. Immer öfter kommt die Frage auf, was eine so lange Untersuchungshaft rechtfertigen könnte. In den Fokus der Diskussionen rückt dabei je länger, je mehr Staatsanwalt Marc Jean-Richard-dit-Bressel, der die U-Haft beantragt hat.

Die „Aargauer Zeitung» kritisierte ihn diese Woche scharf: Der Staatsanwalt versuche an Vincenz „aus populistischen Gründen» ein Exempel zu statuieren.

Der Chefredaktor des Wirtschaftsmagazins „Bilanz» wiederum fragte in einem Kommentar: „Warum lässt die Staatsanwaltschaft die Verdächtigen nicht laufen, wenn sie einen wasserdichten Fall hat? Sucht sie verzweifelt nach neuem belastenden Material?» Sein Fazit: „Es reicht – lasst Pierin Vincenz raus!»

Unzählige Akten müssen ausgewertet werden

Doch sind 77 Tage U-Haft tatsächlich so aussergewöhnlich? „Nein», sagt Adrian Ettwein von Bähr Ettwein Rechtsanwälte. Er war von 2002 bis 2015 Staats­anwalt des Bundes im Bereich ­Wirtschaftsdelikte. Bei komplexen Wirtschaftsfällen sei eine lange Untersuchungshaft nicht selten. „Die Aufklärung komplexer Wirtschaftsdelikte braucht Zeit. Oft müssen unzählige Akten und Dokumente ausgewertet werden – in der Regel mit wenig Personal.»

Ettwein weiss aus eigener Erfahrung: „Kein Staatsanwalt hat Freude, jemanden in U-Haft zu haben.» Die Untersuchungshaft dauert, falls nichts Kürzeres beantragt oder vom Haftgericht angeordnet wurde, drei Monate. Vor Ablauf dieser Frist kann die Staatsanwaltschaft beim Zwangsmassnahmengericht eine Verlängerung beantragen, wenn die Voraussetzungen

Source:: Blick.ch – Wirtschaft

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