TV-Tipp: Three Girls – Warum glaubt uns niemand?

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Ruby (Liv Hill) lutscht verstört am Daumen, als sie darauf wartet, ihr Kind abzutreiben. Sie ist erst 13. Geistig zurückgeblieben. Missbraucht. Ausgeliefert von einem Ring skrupelloser Zuhälter an einen Familienvater Mitte 30. Kein Einzelfall – nur eines von rund 1000 Opfern.

Eine TV-Reporterin wird es später auf den Punkt bringen, warum der erschreckende Missbrauchsskandal zusätzlich so heikel ist: „Sämtliche Männer sind pakistanischer Herkunft, während ihre Opfer ohne Ausnahme weiß sind.» Lange Jahre ignorieren Behörden alle Hinweise vergewaltigter Mädchen aus der Unterschicht. Nach Strafanzeigen werden Anklagen fallengelassen. Davon berichtet das BBC-Drama „Three Girls – Warum glaubt uns niemand?» auf Arte.

Die dreiteilige Mini-Serie am Donnerstag (14. Juni) ab 20.15 Uhr greift einen wahren Fall aus Großbritannien auf. In Nordengland hatten sich über Jahre Netzwerke gebildet: Orte wie Telford, Oldham, Rochdale stehen als Synonym für eine Kultur des Wegsehens. Zwischen 2003 und 2012 kam es dort immer wieder zu systematischer sexueller Ausbeutung junger Mädchen. Das Bekanntwerden der Machenschaften von Banden aus Südasien bedeutete für die liberale Einwanderungsgesellschaft eine Belastungsprobe.

Nicht die Taten stehen im Mittelpunkt von Philippa Lowthorpes preisgekrönter Inszenierung. Die Kamera dreht weg, zeigt Aufnahmen aus der Ferne. Es geht um die Vorgeschichte und den schwer fassbaren Umgang der Behörden mit den Außenseiterinnen. Ein Ermittler gähnt Holly (Molly Windsor) ins Gesicht, als sie ihre Vergewaltigung schildert. Andere drehen Opfer- und Täterrolle um: Sie werfen die Mädchen in einen Topf mit Prostituierten. Obwohl sie Kinder sind, die auf Lockvögel hereinfielen, unter Alkohol oder Drogen gesetzt wurden.

Jahre später will eine Sonderkommission der Polizei endlich aufräumen und steht vor einem Scherbenhaufen, den ihre Kollegen hinterlassen haben. Hollys Vater wirft die Ermittler raus: „Raten Sie mal, wer daran schuld ist, dass sie so kaputt ist, dass sie nicht mehr auf die Füße kommen kann? Sie und ihresgleichen!»

Sozialarbeiterin Sara Rowbotham

Source:: Stern – Kultur

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