Stucki schreibt zum Rücktritt von Freund Sempach: «Mättu, äs isch geil gsi mit dir»

By Christian Stucki

Im Sägemehl waren sie Rivalen, ausserhalb davon sind sie gute Freunde. Exklusiv für BLICK widmet Christian Stucki einige Zeilen an den zurückgetrenen Matthias Sempach.

Lieber Mättu

Du hast mich ja schon in der Vergangenheit im Sägemehl ein paar Mal auf dem falschen Bein erwischt. Aber jetzt hast du mich mit deinem Rücktritt wirklich total überrascht. Ich bin bis gestern fest davon ausgegangen, dass du mindestens bis zum nächsten Eidgenössischen im kommenden Sommer in die Zwilch­hosen steigst. Aber ich habe ja auch nicht gewusst, dass du neben den Rückenproblemen nun auch noch von einem Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich geplagt wirst. Deshalb kann ich mit etwas Abstand sagen, dass du alles richtig gemacht hast. Du hast in unserem Sport ja fast alle grossen Titel gewonnen.

Im Gegensatz zu mir darfst du dich Schwingerkönig nennen. Am Unspunnen hast du, anders als ich, zwar nie gewonnen. Aber diese Scharte hättest du wahrscheinlich sowieso nicht mehr auswetzen können, schliesslich findet der nächste Unspunnen-Schwinget in Interlaken erst in fünf Jahren statt.

Deshalb ist dein Rücktritt nach der jüngsten Diagnose deines Arztes ganz sicher die einzig richtige Entscheidung. Denn hättest du unter diesen Voraussetzungen weitergemacht, hättest du eine noch gröbere Erkrankung riskiert. Ein solches Abenteuer hätte vielleicht sogar im Rollstuhl enden können. Aber jetzt kannst du mit hoch erhobenem Haupt abtreten.

Und ich denke zurück an viele ganz besondere Momente, die ich in den letzten fast drei Jahrzehnten mit dir erleben durfte. Wenn ich mich richtig erinnere, sind wir uns erstmals im Frühling 1993 an einem Buebe-Schwinget begegnet. Ich kann dir nicht mehr sagen, wer damals gewonnen hat. Ich weiss aber, dass ich dir körperlich überlegen war. Durch die zahlreichen Duelle an Jungschwinger-Tagen sind wir uns auch menschlich nähergekommen. Ich habe ein paar Mal in deinem Elternhaus auf dem Sofa übernachtet, nachdem wir beide im Ausgang die Nacht zum Tag gemacht haben.

Source:: Blick.ch – Sport

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