F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Unterwegs: Hetzt du schon oder reist du noch?

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Wer oft durch die Gegend fliegt, bekommt von den Airlines als Dankeschön den Zugang zu einer exklusiven Lounge offeriert. Dort könnte man die Zeit bis zum Abflug entspannt überbrücken. Aber es gibt diverse Zeitgenossen, die contraire unterwegs sind: „Das Angebot muss heute noch raus“, schrie ein schwitzender Herr mit rotem Kopf in sein silbernes Mobiltelefon. Ein anderer, dem die Haare regelrecht zu Berge standen, suchte mit hektischem Blick eine Steckdose.

Ich beobachtete das geschäftige Treiben amüsiert bei einem alkoholfreien Weizenbier und einer noch warmen Brezel. Plötzlich wurde die Reality-Soap der Mitreisenden in der Lounge jäh unterbrochen: Eine ältere Dame im blauen Kostüm stand vor mir, deutete auf den Platz gegenüber und fragte, ob sie sich setzen dürfte. Selbstverständlich. Ich fragte, ob ich ihr ebenfalls ein Bier und eine Brezel holen sollte. Sie nickte freudig. Und dann saßen wir da und redeten. Über das Reisen.

<a target="_blank" rel="nofollow" href="https://www.stern.de/wirtschaft/job/frank-behrendt/7042108.html?utm_campaign=wirtschaft&utm_medium=rssfeed&utm_source=standard“>kurzbio BehrendtDie freundliche Frau, die trotz ihres Rentenalters begeistert im Beirat einer Bildungsstiftung tätig ist, schüttelte mitten im Gespräch energisch den Kopf und meinte: „Die Leute sind doch heute alle völlig verrückt, so wie die durch die Gegend hetzen. Die sehen doch nichts und niemanden mehr.“ Sie erzählte mir von ihren früheren Dienstreisen als Verlagsvertreterin. Die Reisestelle buchte alles sorgfältig, man fuhr 1. Klasse Bahn, übernachtete in schönen Hotels im Herzen der Stadt und hatte vor und nach seinen Terminen ausreichend Zeit für einen Stadtbummel oder Zerstreuung. „Wir kamen immer inspiriert ins Büro zurück“, sagte sie strahlend und trank einen kräftigen Schluck Bier.

Wir blickten uns wie zwei Detektive um: Jede Menge finstere Mienen, gesenkte Häupter, die über Notebooks hingen. Viele angespannte graue Herren redeten mit Kopfhörern vor sich hin, einige hatten gar einen glänzenden Freisprechclip am Ohr befestigt und fuchtelten beim Telefonat wild mit den Händen herum. Immerhin spielten zwei

Source:: Stern – Wirtschaft

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