Fall Khashoggi: Die zwei Gesichter Saudi-Arabiens

By irene.thierjung@kurier.at (Irene Thierjung)

Prinz Mohammed bin Salman präsentiert sich mithilfe von PR-Firmen als Modernisierer. Gegen Kritiker geht er zunehmend hart vor.

Gefoltert, ermordet, zerstückelt – stimmen die Anschuldigungen, die anonyme Zeugen laut


Washington Post
gegen Saudi-Arabien erheben, ist der am 2. Oktober bei einem Besuch des saudischen Konsulates in Istanbul verschwundene Regimekritier Jamal Khashoggi tot.

Den Beteuerungen aus


Riad
, nichts mit seinem Verschwinden zu tun zu haben, dürften nun noch weniger Beobachter Glauben schenken.

Für Prinz


Mohammed bin Salman
, den saudischen de-facto-Herrscher, ist das ein schwerer Dämpfer – immerhin hat der 32-Jährige es in den vergangenen Monaten dank teurer PR-Kampagnen geschafft, seinem Land einen liberalen Anstrich zu verpassen.

„Vision 2030“

Seit bin Salman im Vorjahr von seinem Vater,


Salman ibn Abd al-Aziz
Al Saud, zum Kronprinzen ernannt wurde, hat er im Königreich das Sagen.

Er hat es sich zum Ziel gesetzt, sein Land durch die Erschließung neuer Einnahmequellen unabhängiger vom Erdöl zu machen. Zudem will er die Herrschaft seiner Familie durch Zugeständnisse an die großteils junge Bevölkerung absichern (70 Prozent der 34 Mio. Einwohner sind unter 30 Jahre alt).

Seine ambitionierten wirtschaftlichen und sozialen Pläne goss er in die sogenannte „Vision 2030“. Und sorgte mithilfe internationaler PR-Firmen, darunter drei der größten Agenturen in


Washington
, dafür, dass auch alle davon erfuhren.

APA/AFP/BORIS HORVAT

Saudische Rennfahrerin

Laufend gab es im Frühjahr und Sommer erbauliche Neuigkeiten über Kinoeröffnungen, Musikkonzerte oder Comicmessen im streng islamischen, wahhabitischen Saudi-Arabien, untermalt von Fotos der ersten autofahrenden oder Sport treibenden Frauen.

In weltweit zitierten Interviews präsentierte sich Prinz Mohammed als Liberaler, berichtet von Treffen mit US-Präsident Trump oder Amazon-Gründer Jeff Bezos, dem Besitzer der Washington Post. Er zierte das Time-Magazin und ließ sogar mit israel-freundlichen Tönen aufhorchen.

„Dunkle Seite“

Die Affäre rund um das Verschwinden Khashoggis sorgt nun dafür, dass auch auf die andere, weiterhin „dunkle“

Source:: Kurier.at – Politik

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