Fotografin Helen Levitt: Absurdes Theater auf der Straße

Eine Schau zeigt das faszinierende Werk der New Yorkerin (1913 – 2009), die als Star der „Street Photography“ gilt

Die Zivilisation ist eine dünne Haut, und manchmal bekommt sie


Abschürfungen
, Risse und Irritationen. Was wäre, wundert man sich dann, wenn die Welt, die wir als normal wahrnehmen, in Wirklichkeit nur ein Theater ist? Was, wenn sich alle Menschen ganz anders verhalten, sobald man wegschaut?

Eine ganze kulturelle Tradition lebt davon, diese Verunsicherung zu formulieren, die „Matrix“-Saga oder die Filme von David Lynch sind populäre Beispiele dafür. Die Fotos von


Helen Levitt
, die bis 27. 1. 2019 in einer hervorragenden Überblicksschau in der Albertina zu sehen sind, verfolgen ebenso das Bemühen, das Unheimliche im Vertrauten zu suchen.

Die Bilder, die die Fotografin (1913 – 2009) in den 1930er und ’40er Jahren zunächst in Schwarzweiß und ab Ende der 1950er Jahre in Farbe anfertigte, werden gemeinhin als Klassiker der „Street Photography“ gehandelt. Doch anders als viele ihrer Kollegen, denen es primär um die Dokumentation des Großstadtlebens ging, suchte Levitt gezielt nach dem Absurden und Theatralischen. Sie hatte dabei einen Ideenvorrat im Kopf, der sich aus ihrer Begeisterung für den Surrealismus und den Stummfilm sowie aus ästhetischen und politischen Debatten jener Zeit speiste.

Helen Levitt/Film Documents LLC

Spielerischer Umsturz

Kinder waren ein bevorzugtes Motiv Levitts, da sie häufig reale Geschehnisse im Spiel nachbilden – um 1940 warf vor allem der Krieg seine Schatten. Zugleich scheren sich Kinder wenig um normierte Verhaltensweisen und demonstrieren das „Andere“ schlechthin. Inspiration kam auch aus der Ethnographie, die zu jener Zeit Konjunktur hatte: Bücher wie Margaret Meads „Coming of Age in


Samoa
“ (1928) stellten die Möglichkeit eines freizügigen Aufwachsens anderswo dar, Intellektuelle verfolgten die Idee, die moderne Kultur als etwas Exotisches zu begreifen. Levitt rückte ihrerseits gern zu Halloween

Source:: Kurier.at – Kultur

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