Junge Iraner: „Ich gehe, mir ist das Land egal“

Die iranische Jugend lebt längst in einer Parallelwelt ohne Kleidervorschriften, hat das Mullah-Regime satt und will nur weg.

Unter Jubel wechselt die Telegram-Playlist von Makarena zu persischer Rhythmik. Hände wirbeln nach oben. Ali gießt Tonka-Bohnen-Sirup in das Plastikglas mit Nemirovskaya Wodka. „So stellst du Schichten her“, erklärt Reza, bevor er es kippt. Die Devise „Regeln sind da, um gebrochen zu werden“, ist omnipräsent im Iran, aber geheim, versteht sich.

Viele junge Iraner streben danach, ihr Land zu verlassen. Reza ist einer von ihnen. „Ich bin fertig mit diesem Land, ich gehe weg und werde nicht zurückschauen“, zeigt er seine Entschlossenheit. „Der Iran ist eines der wenigen Länder, in denen man in die Zukunft sieht, wenn man in die Vergangenheit schaut“, meint der Informatikstudent. Die Restriktionen der Islamischen Republik können zwar hinter verschlossenen Türen, wie hier in einer Wohnung im Norden Teherans, umgangen werden, jedoch weiß heute jeder, mit welchen Freiheiten Menschen im Westen leben.

Wilde Partys mit Wodka

„Saris“ (Dealer für Alkohol und andere Drogen) kennen – und sind – hier viele. Ein Anruf, und kurz danach ist Ali mit einer neuen Flasche Nemirovskaya zurück. Der Preis gleiche sechs Mahlzeiten, sagt Reza. Besonders an dem steigenden Fleischpreis spürt jeder die Inflation. „Viele Lokale müssen zusperren, manche ändern ihre Speisekarte“, sagt Reza und nennt das Café Richard in Universitätsnähe, in dem es früher gute Burger gab. Auch die Sanktionen treiben die Preise in die Höhe, nur die Löhne bleiben gleich.

Die Folgen können auf der Straße beobachtet werden. Buben verkaufen Kaugummis, Mädchen warten hinter Personenwaagen auf Kunden, die für ein bisschen Geld ihr Gewicht erfahren können. Männer mit schlechten Zähnen sitzen auf Kartons hinter zusammengerollten Kabeln, die sie feilbieten. Mit „befarma“, zu Deutsch „nach Ihnen“, wird man zur Ware gebeten. Denn auch

Source:: Kurier.at – Politik

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