Filmkritik zu „The Souvenir“: Zwischen Punk und Barock

By alexandra.seibel@kurier.at (Alexandra Seibel)

Joanna Hogg erinnert sich an eine unglückliche Beziehung, Dakota Johnson möchte Musikproduzentin werden und Jean Dujardin verliebt sich in seine Jacke

Nun geht es endlich wieder los mit frischen Filmen. Während die großen amerikanischen Blockbuster noch auf sich warten lassen, finden neue, „kleinere“, arthousige Filme ihren Weg in die (teilweise) wiedereröffneten Kinos.

Einer davon ist „The Souvenir“, ein von Martin Scorsese mitproduzierter Film der britischen Regisseurin Joanna Hogg: Seit seiner Premiere auf dem Filmfestival in Sundance schlagen ihm große Wellen cinephiler Begeisterung entgegen.

In dem spröden, autobiografisch inspirierten Porträt einer jungen Filmstudentin, erinnert sich Hoggs an ihre eigenen Jugenderlebnisse im London der frühen 80er Jahre. Doch rekapituliert sie diese einstige Lebenssituation nicht als chronologische Abfolge von Ereignissen, sondern als Durchmischung von Gefühlszuständen und Sinneswahrnehmungen. Fetzen von Punkrock-Songs und Arien erklingen ebenso auf der Tonspur wie literarische Texte, gesprochen zu stillen Landschaftsaufnahmen.

Im Mittelpunkt steht die erste große Liebesbeziehung einer jungen Frau, die sich in London an der Filmschule eingeschrieben hat. Sie heißt Julie, ist unsicher und kaut gerne an ihren Nägeln. Ihre Mutter, die ab und zu in der Wohnung der Tochter vorbeischaut, zieht ihr dann energisch die Hand vom Mund weg. Aber Julie kaut nicht nur Nägel, sie küsst auch gern Händen – besonders die Hand ihres Freundes Anthony. Nägel kauen und Hände küssen werden zu Ausdrucksformen der Hingabe in einer Liebesbeziehung zwischen Glück und Qual.

Park Cirkus

Aristokratischer Geschmack im London der 80er Jahre: „The Souvenir“

Anthony, ein undurchsichtiger Dandy, liebt aristokratisches Ambiente, historische Gemälde und Venedig. Sein Gusto für Dekadenz und Stilbruch geht einher mit einer zeittypischen, postmodernen Lust am Genre-Mix, zumal in London, wo sich die Geschmacksvielfalt zwischen Punk und Barock, Bauhaus und Oper ausbreitet.

In Julies gepflegter Wohnung herrscht die gedämpfte Aufbruchsstimmung einer Tochter aus gutem Haus. Im realistischen Licht des britischen Autorenkinos erzählt Joanna Hogg in hellen Bildern von einer gehobenen

Source:: Kurier.at – Kultur

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