„Schluss mit lustig“ im ORF: Lachen, systemrelevant für die Psyche

„Schluss mit lustig. Der satirische Jahresrückblick 2022“ (20.15 Uhr, ORF 1) auf „das Übliche“ in der Politik, Mundl anders und was in ist: Smartphone, streamen, erben.

Ein Jahr wie Schädelweh. Im Rückblick war 2022 „ganz schwierig“, sagt der Kabarettist Gerald Fleischhacker, „so ähnlich wie ein Vorstellungsgespräch bei Wolfgang Fellner: Man weiß nicht, wie grauslich es werden kann.“

Am Ende dieses merkwürdigen Jahres wird es traditionell witzig. „Schluss mit lustig. Der satirische Jahresrückblick 2022“ (20.15 Uhr, ORF 1) lässt heute zur Primetime auch düstere Zeiten humorvoll Revue passieren – diesmal unter anderem mit Pointen zum Anschütten und Ankleben für das Klima.

Und mit der Frage jenseits von Quoten: Warum nicht mehr Frauen? Würde dann die Welt nicht ganz anders ausschauen? Katharina „Helene“ Straßer heizt uns am Anfang mit einem Schlagermedley ein. Herzerwärmend auch ohne Fernwärme Wien. Und sie ulkt verbal: „Mit ein bisserl weniger im Tank bleibt das Geldbörserl schlank.“

Gery Seidl und Fleischhacker sticheln gegen Innenpolitiker: Alle haben das gleiche Recht, durch den Kakao gezogen zu werden, u.a. einer, der nicht mehr wegzubringen ist. „Ist dieser Sobotka noch ganz bei uns?“ Habe sich das von Sobotka als „das Übliche“ in der Politik Angesprochene am Ende doch „als große Schweinerei herausgestellt“.

ORF/ORF/Hubert Mican

Gerald Fleischhacker

Komiker und Kasperl

Erinnert wird an via Video eingespielte Amateur-Komiker wie H. C. Strache, den ebenso sattsam bekannten „Kronzeugen des Jahres“ Thomas Schmid und so manchen ignoranten Kasperl – pardon: Kandidaten – bei der letzten Bundespräsidentenwahl. Und dass Karl Nehammer mit 13 Monaten Amtszeit schon Langzeitkanzler und Rekordhalter im Zähne-Zusammenbeißen ist.

Heißt die Partei im Mikl-Leitner-Land Niederösterreich jetzt „Landesstudio ÖVP“? Oder „WhatsApp-Gruppe mit türkisem Hintergrund“?

Andreas Vitásek ist als Mundl Sackbauer 2.0 ganz anders. Voll korrekt, Oida.

Und Caroline Athanasiadis sagt Nein zu Penisverlängerungen. Gernot Kulis arbeitet sich ab am heimischen Sport, Fußball-WM inklusive, österreichische Beteiligung in Katar mit Bierverbot exklusive: „Wir boykottieren die Fußball-WM ja schon sehr lange.“

Die Eventitis war zurück: vom traditionell verregneten Nova Rock über Lars Eidingers Jedermann bis zur Verdi-Oper „Nabucco“ im Steinbruch. Kultur im Land. Nicht zu vergessen: Thomas Stipsits’ „Eierkratz Komplott“. Auch wenn überall im Land die Gefahr des Blackout lauert. Stromausfall und rien ne va plus. Also kein WLAN, kein Computer, kein Fernseher, kein Kühlschrank …

ORF/ORF/Hubert Mican

Caroline Athanasiadis

Generation Selbstfindung

Hans Krankl alias Alex Kristan kommentiert die Außenpolitik mit dem Kennerblick des Fußballprofis: „Trump, der Typ mit dem Eichkatzerl am Schädel, ist wie schlechtes Kebab, das einem immer wieder aufstößt.“ Und weiß: „Der Putin hat weniger Anhänger als die Admira beim Heimspiel, aber leider das Budget von FC Barcelona, Chelsea und Inter Mailand gemeinsam.“

Malarina, die kabarettistische Kunstfigur von Marina Lacković, geht dem Trend der Selbstfindung nach, der Ungewissheit bei der Generation Woke im Wigel Wogel, wie viel Work-Life-Balance sie will.

Die Tirolerin mit serbischen Wurzeln, für ihren scharf gewürzten „Mix aus angewandter Völkerkunde und Politsatire“ mit dem Salzburger Stier 2023 ausgezeichnet, weiß nicht, ob sich das „Ich“ in Indien leichter finden lässt als in Serbien und sagt:

„Mein Jahr war durchwachsen. Vermögen ist total out. Was heute in ist: Smartphone, streamen, erben. Rich Kids. Bei denen es so aussehen soll, als hätten sie echte Probleme und die daraus resultierende Persönlichkeit. Die donnerstags demonstrieren gegen die Parteien, die sie später wählen werden, wenn sie geerbt haben.“

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