Das Sensationsbild: Klimts „Wasserschlangen II“ im Belvedere

Einst Raubkunst, jetzt Millionen-Asset: Das Meisterwerk der Belvedere-Schau hat eine bewegte Geschichte.

Das Bild „Wasserschlangen II“ – es zeigt vier nackte Frauen in einem ornamentalen, fließenden Bildraum – wurde auch unter dem Namen „Freundinnen“ ausgestellt und unter anderem als Darstellung weiblicher Fabelwesen oder Wassergeister interpretiert. Auf das „Naheliegende“ – dass das Bild wie sein im Belvedere ebenfalls gezeigtes, kleineres Pendant eine Darstellung lesbischer Erotik sein könnte – gingen die Rezensenten zu Klimts Zeit nicht ein, heißt es im Werkverzeichnis des Kunsthistorikers Tobias Natter.

Das Bild wurde  der Sammlerin Jenny Steiner 1938 von den Nazis geraubt und zunächst im Dorotheum zur Versteigerung angeboten, von dort aber wieder zurückgezogen. Ab 1940 besaß es der Regisseur Gustav Ucicky, 1964 war es zuletzt in der Wiener Secession ausgestellt.

Ucickys Witwe verkaufte es 2013 (um kolportierte 112 Mio. US-$), teilte den Erlös mit den Steiner-Erben, und gründete mit ihrem Anteil  die Klimt Foundation. Der Käufer war der russische Oligarch Dmitri Rybolowlew, der sich allerdings bald von seinem Mittelsmannn Yves Bouvier geprellt fühlte. Der Schweizer hatte in Rybolowlews Namen zahlreiche Meisterwerke gekauft, diesem aber enorm überhöhte Preise verrechnet. Neben den „Wasserschlangen“ gehörte auch das Gemälde „Salvator Mundi“ zu jenen Werken, die Bouvier für Rybolowlew erworben hatte. Der Streit zwischen dem Oligarchen und Mittelsmann wurde hart und zäh geführt, Rybolowlew gab das Klimt-Werk schließlich 2015 um kolportierte 170 Millionen US-$ weiter – „in eine asiatische Sammlung“, wie es damals in Medienberichten hieß.

Klimt – für Zuhause?

Dass das Werk nun bis 29. Mai im Belvedere zu sehen ist, ist einem Deal zu verdanken: Weil der Versicherungswert des Bilds die so genannte „Staatshaftung“ gesprengt hätte, übernahm die Eigentümerin die Versicherungs- und Transportkosten; im Gegenzug boten die Experten des Museums dem Bild konservatorische Maßnahmen an und hatten die Gelegenheit, es im Detail zu inspizieren und materialtechnisch zu erforschen. 

Als Leihgeberin fungiert die Hongkonger Firma HomeArt, hinter  der die Unternehmerin Rosaline Wong steht. Sie verlieh auch Klimts „Bildnis  Adele Bloch-Bauer II“  an die Amsterdamer Ausgabe der Ausstellung – jenes Bild, das ebenfalls einst aus dem Belvedere restituiert wurde und bei seiner Auktion 2006 einen Höchstpreis erzielt hatte. Käuferin bei der Auktion war, wie später bekannt wurde, die US-Talk-Queen Oprah Winfrey gewesen. Auch sie gab das Bild später weiter – um kolportierte 150 Millionen US-Dollar.

Ob Wong nun privat Eigentümerin der Klimt-Hauptwerke ist oder ein Konsortium vertritt, war auf Nachfrage nicht zu erfahren. „HomeArt“ hatte auch schon in der Basquiat-Ausstellung der Albertina 2022 fünf Werke platziert. Laut Eigendefinition spezialisiert sich HomeArt auf „diskrete Beschaffung rarer Kunstwerke mit langfristiger Wertsteigerung“. Bei einer Konferenz im November präsentierte Wong in Singapur einen Fonds, der Beteiligungen an derartigen Kunstwerken für Investoren mithilfe von Blockchain-Technologien zugänglich machen soll. Bei dem Fonds namens „Zheng He Bella Romaine“ sind auch namhafte Kunsthändler wie US-Galerist Larry Gagosian in beratender Funktion tätig. 

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