Kaup-Hasler kritisiert „fehlgeleitete Medienpolitik des Bundes“

Trenklers Tratsch über den Umgang der Politik mit dem RSO Wien: Wichtigkeit loben, aber nichts für das Orchester zahlen wollen

Kürzlich veröffentlichte der ORF-Radiosender Ö1 auf seiner Website einen nicht uninteressanten Beitrag: Dessen Programm und das RSO Wien würden „eine symbiotische Beziehung“ führen.

50-mal pro Tag könne man die Musiker des Radio-Symphonieorchesters hören – also immer, wenn die Signation erklingt. Aber natürlich nicht nur. Dieses Plädoyer für den Weiterbestand des RSO argumentiert auch mit dem Bildungsauftrag: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist zuständig für das, was eine durchkommerzialisierte Welt ansonsten den Menschen im Land nicht bieten würde. Dafür ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk da. Politisch wie musikalisch, historisch wie alltäglich.“ Der Artikel kritisiert also den Plan der ORF-Spitze, das RSO aufzugeben. Und auf rso.orf.at findet man alle „Statements zur geplanten Abschaffung“.

Abzubringen sind Generaldirektor Roland Weißmann und Radiodirektorin Ingrid Thurnher aber nicht: Wenn 300 Millionen Euro einzusparen sind, gibt es ab Jänner kein Budget mehr für das RSO. Das wurde dem Betriebsrat des Orchesters auch mitgeteilt. Dem Argument, dass mit dem „MusikTheater an der Wien“ ein Vertrag bis 2027 läuft, sollen Weißmann und/oder Thurnher nicht zugänglich gewesen sein: Man müsse diesen halt kündigen. Schmecks. Und am 8. März soll der Generaldirektor behauptet haben, dass der ORF das Orchester nicht brauche. Das RSO müsse sich selbst kümmern – bzw. bei den grünen Entscheidungsträgern, bei Vizekanzler Werner Kogler und Staatssekretärin Andrea Mayer, antichambrieren.

 

Ihr Tratschpartner wollte sich nicht auf Gerüchte verlassen – und bat das Büro des Generaldirektors um Infos über den unerquicklichen Termin. Doch er wurde nur mit einem alten Statement abgespeist. Folglich wurde ihm auch nicht bestätigt, dass sich Weißmann die Entscheidung am 23. März vom Stiftungsrat absegnen lassen will.

Die Zeit drängt jedenfalls. Und was wurde unternommen? Mayer führt, wie ihre Mitarbeiterin beteuert, „zahlreiche Gespräche und Verhandlungen“. Denn: „Es kann nicht sein, dass dieser wunderbare Klangkörper Sparzwängen zum Opfer fällt.“

 

Ihr Tratschpartner fragte auch bei der Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) nach. Der Klangkörper nennt sich ja „RSO Wien“, er spielt in erster Linie in Wiener Häusern – und kontinuierlich im städtischen Opernhaus. Die Stadträtin argumentiert bigott: Sie spricht sich „klar für den Erhalt des RSO als Rundfunkorchester“ aus, dieses sei „eine tragende Säule“ des Wiener Musiklebens und „aus der Musikstadt Wien nicht wegzudenken“, aber Geld wird es keines geben: Es könne nicht sein, „dass eine fehlgeleitete Medienpolitik des Bundes von der Stadt ausgeglichen werden muss“.

Man kann so argumentieren. Könnte dies aber nicht gleichzeitig bedeuten, dass es für den Bund keinen Grund gibt, ein Wiener Volkstheater zu 50 Prozent mitzufinanzieren? Mit den freigewordenen Millionen ließe sich ein RSO mehr als einmal erhalten.

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