Stimmexpertin verrät, warum wir König immer schon falsch aussprechen

Bei der Aussprache scheiden sich die Geister. Richtig artikulieren, lohnt sich aber. Wie es geht, erklärt Stimmexpertin Ingrid Amon.

Sprache beeinflusst wie wir wirken und wahrgenommen werden. In der Arbeitswelt ein wesentliches Werkzeug – egal, in welcher Branche man sich befindet, sagt Stimmexpertin Ingrid Amon. Denn eine trainierte Stimme ist nicht nur Rednern vorbehalten.

„Wenn Sie mir einen Beruf zeigen, in dem man nicht verstanden werden muss, dann gerne“, sagt die ehemalige ORF-Sprecherin, die seit 40 Jahren sowohl die eigene Stimme, als auch die von anderen formt. „Das Hörerlebnis ist immer mit einem Gefühl verbunden“, so die Trainerin. „Nuschelt oder verschluckt jemand etwas, senkt das die Aufmerksamkeit dramatisch.“

Ingrid Amon/Andreas Hafenscher

Ingrid Amon führt das Sprechtechnik-Institut und schrieb mit „Macht der Stimme“ einen Bestseller 

Viel Zeit in eine bessere Aussprache investieren, muss man nicht. Es genügen drei Wochen und fünf Minuten Üben täglich und eine merkliche (und langfristige) Verbesserung stellt sich ein, verspricht Amon. Die deutsche Sprache sei dafür besonders vorteilhaft, da sie – wie das Französische – weit vorne im Mund gebildet wird.

Etwas, das als sehr kommunikativ empfunden wird. Außerdem wird in der deutschen Sprache kein Muskel zu viel eingesetzt, sagt Amon. Ökonomisch nennt sich das. Bedeutet: Bevor man über zwei aufeinanderfolgende Konsonanten stolpert, formt man diese so ab, dass sie angenehm auszusprechen sind. Das g in „Ewigkeit“ wird in der Aussprache zu einem ch, also zur „Ewichkeit“, weil es einfacher zu bilden ist.

Die Grundregeln

Grundsätzlich werden Konsonanten am Ende hart ausgesprochen und etwas behaucht. Kommt nach einem Konsonanten ein Vokal, liegt eine winzige Pause dazwischen. Bei Vokalen unterscheidet man zwischen hellen (i – e -a) und dunklen (u- o- a) sowie langen (Ofen) und kurzen (offen).

Diphthonge – also au, ei, eu und ui – sind vor allem für Wienerinnen und Wiener schwierig, jedoch hat „jedes Bundesland so seine Herausforderungen“, merkt Amon an. Dennoch sollte an diesen Herausforderungen gearbeitet werden. Auf Kosten der Persönlichkeit geht eine verbesserte Artikulation nämlich nicht, so Amon.

„Es ist ein großer Irrtum zu sagen: Nur der Dialekt drückt eine Persönlichkeit aus. Ich habe verschiedene Sprachen wie verschiedene Kleider und immer bin es ich.“

Muss es schnell gehen, etwa vor einer Präsentation, rät Amon, die wichtigsten zehn Wörter des Vortrags herauszuschreiben und kurz davor 20 Mal deutlich auszusprechen. Alleine für sich, denn an der Aussprache geübt, wird niemals vor Publikum, so Amon: „Das ist ein eisernes Grundgesetz“.

G&G Verlag

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Besser artikulieren – so geht’s

Aus dem Übungsbuch: Vokale und Konsonanten richtig aussprechen

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