Weltbürger und Vordenker Europas: Stefan Zweig im Literaturmuseum

By werner.rosenberger@kurier.at (Werner Rosenberger)

„Stefan Zweig. Weltautor“ (bis 27. Februar) untersucht das Phänomen der Strahlkraft des bis heute meistgelesenen und unvermindert aktuellen deutschsprachigen Schriftstellers.

Kollegen nannten ihn den „Literaturindustriellen“. Oder spöttisch auch „Erwerbszweig“. Für Ludwig Marcuse war er „die mächtigste Großmacht im Reich der Gedruckten.“ Tatsächlich ist Stefan Zweig (1881–1942), der einmal meinte, der Erfolg habe ihn „wie ein fremder Gast überrascht“, noch immer der meistgelesene und -übersetzte Autor deutscher Sprache des 20. Jahrhunderts.

Das Literaturmuseum widmet dem „Weltautor“ eine Sonderausstellung – „nicht zuletzt auch wegen seiner Aktualität als lebenslang überzeugter Pazifist und Vordenker eines geeinten übernationalen Europa, dessen Vorbild die Donaumonarchie war“, sagt ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger.

„Er blieb lebenslang einer nostalgischen, aber immer auch zeitkritischen Erinnerung an ein untergegangenes Österreich verbunden.“ Das schilderte er als „das goldene Zeitalter der Sicherheit und kunstdurchtränkte Windstille der Weltstadt Wien vor dem Ersten Weltkrieg“ in seinem Spätwerk und Erinnerungsbuch aus dem alten Europa, einer Art Testament, das er ohne jede Aufzeichnungen, Briefe und Gedächtnisstützen geschrieben hatte. Denn die waren über alle Welt verstreut. Ursprünglich sollte es „Drei Leben“ heißen und erhielt erst im Exil den neuen Titel: „Die Welt von gestern“.

Literaturmuseum

Vieles vom Vielschreiber ist von bezwingender Zeitlosigkeit und Aktualität. In seinem in der Französischen Revolution angesiedelten Drama „Adam Lux“ heißt es: „Niemals kann Hass etwas Fruchtbares schaffen …“

Und schon 1932 fordert er in der Zeitung Der Morgen: „Nehmt allen die Waffen weg, allen …!“

„Er war ein sehr guter Manager seiner selbst“, sagte Arturo Larcati, mit Literaturmuseum-Chef Bernhard Fetz Kurator der Schau. Und vernetzt wie kaum einer. Der Bestsellerautor mit der federleichten Erzählkunst und leidenschaftlichen Essayistik kannte sie alle:

Theodor Herzl, der ihn in der Neuen Freien Presse publizierte, den Seelenerkunder Sigmund Freud, die Journalistin und Salonnière Berta Zuckerkandl. Die Musiker Bruno Walter und Arturo Toscanini standen in seinem Adressbuch, und Richard Strauss, für den er ein Libretto schrieb.

Fundstücke und Hype

Gezeigt

Source:: Kurier.at – Kultur

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