By Simon Häring, Cécile Klotzbach (Text), Sven Thomann (Fotos)
Obwohl das Wochenende in Tränen endet, erlebt Luzern im Fed-Cup-Halbfinal die Geburtsstunde einer neuen Tennis-Königin.
Schluchzend sitzt Viktorija Golubic auf der Schweizer Bank. Wird getröstet von ihren Kolleginnen – Martina Hingis, mit der sie das entscheidende Doppel im Fed-Cup-Halbfinal gegen Tschechien verloren hatte. Von Timea Bacsinszky, die an diesem Wochenende selber immer wieder in Tränen ausbricht. Und von Belinda Bencic (19), dem Super-Talent, das wegen einer Verletzung nur zuschauen kann.
Zuvor hat Golubic mit wunderschöner, einhändig gespielter Rückhand, Kampfgeist und Leidenschaft ihre beiden ersten Einzel im Fed Cup gegen die deutlich stärker eingestuften Tschechinnen gewonnen und den Traum vom Final-Einzug am Leben gehalten. Sie, die neben dem Platz ruhig und zurückhaltend ist, entfacht eine Feuer, das selbst die Niederlage im Doppel mit Martina Hingis nicht auslöscht.
Golubic kommt 1992 als Tochter einer Serbin und eines Kroaten und als jüngstes von vier Kindern in Zürich zur Welt. Anders als Martina Hingis oder Belinda Bencic gilt sie nicht als Super-Talent. Mit zwölf Jahren stellt sie ihr Spiel auf Anraten ihres Trainers Csaba Nagy radikal um – zuvor hatte sie Vorhand und Rückhand beidhändig gespielt. „Ich dachte, das ist der schlimmste Fehler meines Lebens.»
Heute sagt Golubic, es passe zu ihrer Persönlichkeit und ihrer kreativen Spielweise. Aber erst in diesem Jahr macht sie den Knopf auf und schafft den Sprung auf die ganz grosse Bühne. „Ich wusste, dass ich grosses Potenzial habe und ein variables Spiel. Ich brauchte einfach länger, bis alle Puzzle-Steine zusammenpassen», sagt Golubic. Nun verzaubert sie die Schweiz mit ihrem Spiel und ihren Emotionen.
Obwohl sie seit drei Jahren in Kerpen (De) an der Akademie von Robert Orlik trainiert, vermisst sie oft die Schweiz. Für ein Stück Heimat hat sie immer ein Mini-Aromat dabei, denn „die Schweiz ist ein unglaubliches Land.» Stunden nach der emotionalen Achterbahnfahrt fällt es ihr immer noch schwer, ihre Gefühle in Worte zu fassen. „Ich war im Hoch, dann enttäuscht. Das alles muss ich erst verdauen.»
Einer, der immer an Golubic geglaubt hat, ist Heinz Günthardt. „Viktorija ist eine wunderbare Tennis-Spielerin, die sich selber viel zu lange unterschätzt hat», sagt der Zürcher. Nach dem zauberhaften Fed-Cup-Wochenende in Luzern wird ihr das nicht mehr passieren. Viel Zeit zum Geniessen bleibt ihr indes nicht. Bereits in einer Woche startet Golubic in Prag in die Sandplatz-Saison.
Source:: Blick.ch – Sport