John Cale formt den Sound von Menschlichkeit, die an die Wand knallt

Der Velvet-Underground-Mitbegründer und Experimentalmusiker veröffentlicht „Mercy“, sein erstes neues Album seit 2012

„Die Menschlichkeit ist gegen eine Wand geknallt. Es gab viel Hässliches, das außer Kontrolle geriet!“

Das, sagt John Cale, war das Klima, in dem die Songs seines eben erschienenen Albums „Mercy“ entstanden sind, die Zeitstimmung während und kurz vor der Pandemie. Im sphärischen Titelsong, in dem er deshalb um Gnade bittet, spielt der in Los Angeles lebende Brite sowohl auf die „Black Lives Matter“-Bewegung, als auch auf Donald Trump und politisch motivierte Gewalt an.

Nicht nur thematisch, auch musikalisch ist dieser Song richtungsweisend für das Album. Cale, der in London Klassik studiert, in New York mit John Cage gearbeitet und mit Lou Reed die Art-Rockband Velvet Underground gegründet hat und sowohl mit elektronischer Musik als auch Avantgarde experimentiert, mischt hier sein Viola- oder Pianospiel mit psychedelischer Elektronik und Geräuschen.

Domino Records

Damit schließt er an den Vorgänger „Shifty Adventures In Nookie Wood“ von 2012 an. Im Gegensatz dazu ist die Grundstimmung von „Mercy“ aber resigniert und beängstigt, anstatt optimistisch und kämpferisch.

Cale schrieb die Songs von „Mercy“ anders als bisher nicht auf der Gitarre oder dem Klavier, sondern ging von Beats aus, die er am Computer zusammenbastelte. Daraus ließ er die Melodien und Texte entstehen. Und als er das fertig hatte, fand er, dass einige der Tracks ein paar andere Klangfarben und Singstimmen nötig hatten.

Deshalb lud er jede Menge junger Musiker ein, die wie er „mit jedem Album Neues erforschen“ wollen. Die amerikanische Singer/Songwriterin Weyes Blood gastiert auf „Story Of Blood“, die Indie-Band von Animal Collective hat mit ihm „Everlasting Days“ aufgenommen und die britischen Psychedelic-Rocker Fat White Family sind bei „The Legal Status Of Ice“ dabei, bei dem sich Cale Gedanken über die rechtliche Situation um das Abschmelzen der Polkappen macht.

Neben der Sorge um die Menschheit und ihren Planeten hat Cale auch ein paar nostalgische Erinnerungen in die Songs von „Mercy“ gepackt: „Moonstruck“ hat er der Sängerin Nico gewidmet, die das erste Album von Velvet Underground mitgeprägt hatte. Und in „Night Crawling“ reflektiert er, wie er in den 70er-Jahren mit seinem Freund David Bowie durch die Clubs von New York zog.

„Wir wollten immer zusammen Musik machen“, erzählte Cale der amerikanischen Kulturplattform Vulture. „Dem standen zu der Zeit aber viel zu viele Partys im Weg. Wir haben ein bisschen etwas gearbeitet, aber bei weitem nicht genug.“

JOHN CALE LIVE:

2. 3. Wien/Porgy & Bess (ausverkauft)

4. 3. Wels/Stadttheater

 

 

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