Schanzenlos: Wie Kinder in Wien zu Skispringern werden sollen

Wiener Athleten werden auf der Schanze konkurrenzfähiger. Die Wiener Stadtadler luden Kinder zum Schnuppern ein – und Stadtrat Peter Hacker.

Anfahrtshocke, Absprung, Luftstand, Landung. Patrick Hinterwallner hat den erwachsenen Skispringern schon so oft zugeschaut, dass er genau wusste, was zu tun ist, als seine Eltern den Siebenjährigen mit einem Schnuppertraining im verschneiten Ernst-Happel-Stadion überraschten.

An den vergangenen beiden Wochenenden lud der Skisprungverein Wiener Stadtadler insgesamt 250 Kinder ein, um in den Skisprung-Sport hineinzuschnuppern. Auf einer echten kleinen Schanze durften sie, von Trainern begleitet, ihre ersten Sprünge absolvieren. Mit eigenen oder geliehenen Skischuhen stiegen sie in die breiten Kinder-Skisprung-Ski, glitten mutig die Anfahrtsspur hinunter, hoben ab und landeten am Rasenteppich.

Schwierig fand es niemand. „Die Matten bremsen dich automatisch“, sagte Simon Ruhmannseder (8) nach seinem ersten Sprung. Davor wurde aufgewärmt, danach konnten die Kinder noch auf dem Skisprung-Simulator üben.

Stadtadler-Gründer Christian Moser spricht von „unglaublichen Zulauf“ in diesem Jahr: „Man merkte an der langen Warteliste, dass das Skispringen in Wien Anklang findet“, sagt der Olympiamedaillengewinner von 1994.

Kurier/Gilbert Novy

Vor dem Absprung: Jung-Adler beim Aufwärmen

Die Angst verfliegt

„Simon ist um fünf Uhr aufgestanden, weil er es nicht erwarten konnte“, erzählen seine Eltern. Viele haben Bedenken, wenn die Kinder mit Skispringen wollen. Die Geschwindigkeit, die Weite, die Höhe – eine unangenehme Vorstellung. Sobald sie aber sehen, wie klein die Schanzen sind, auf denen die Jüngsten trainieren, verfliegt die Angst. „Mut braucht man gar nicht“, findet der Sechsjährige Erik Edling.

Karoline Krause-Sandner

Erik Edling, 6: Schaut bei Oma und Opa immer Skispringen an

Wie weit er am Wochenende hier gesprungen ist? „Ich schätze einen halben Zentimeter“, analysiert Erik. „So fünfzig Zentimeter“, schätzt sein Freund Luca Aigner. Der Schanzenrekord liegt laut dem 11-jährigen Stadtadler Nico Greilhuber bei 2,5 Metern. Der Wiener springt längst größere Schanzen. Ab 11 Jahren nehmen die Leistungsspringer nämlich beim österreichweiten Austria Cup teil.

Dass da ab und zu ein Konkurrent aus einem anderen Bundesland schief schaut, wenn die Wiener auftauchen, gehört längst der Vergangenheit an. Die Stadtadler haben sich durch ihre Leistungen in den vergangenen 18 Jahren im ganzen Land einen Namen gemacht.

Die jüngsten Erfolge etwa von Meghann Wadsak (15) und Sara Pokorny (14) können sich sehen lassen. Und ganz stolz sind die Wiener auf die Goldmedaille von Louis Obersteiner (18) bei den Olympischen Jugendspielen.

Schanzenlos

Wunschlos glücklich sind die Wiener Stadtadler deshalb aber noch lange nicht. Ein großes Anliegen: eine eigene kleine Schanze in der Stadt.

Auch Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hat deshalb am vergangenen Wochenende im Stadion vorbeigeschaut. „Wir haben diskutiert, wie sinnvoll eine Skisprungschanze in Wien wäre“, sagt der Politiker und fügt hinzu: „Dieses Vorhaben ist so absurd, dass es schon wieder interessant ist.“

Man sei in Gesprächen, um „aus einer Vision ein Projekt“ zu machen. „Skispringen verändert sich“, weiß er. Man braucht keinen Schnee mehr dafür. Auch im Weltcup wird mittlerweile teils auf Matten gesprungen.

Kurier/Gilbert Novy

Warten auf die Schanze: Kinder beim Schnuppern im Happel-Stadion

Ohne Schnee sei Skispringen laut Hacker „auch für den urbanen Bereich interessant“. Derzeit werde nach einer Lösung und nach Partnern gesucht. Außerdem stellt sich noch die Frage nach dem Wo.

All diese Fragen beschäftigten die jungen Skispringer und Skispringerinnen im Happel-Stadion nicht. Sie dachten nur darüber nach, wie es sich angefühlt hat, am Schanzentisch abzuheben: „Ein bisschen wie fliegen“ laut Luca.

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