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Aus heutiger Sicht macht das Leben von Brunhilde Pomsel fassungslos. Wie konnte man während des Nationalsozialismus im Propagandaministerium arbeiten und angeblich nichts mitbekommen von dem grausamen Terror, den Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Konsorten verbreiteten?
Brunhilde Pomsel gab sich ahnungslos. „Wir haben nichts gewusst» - ein Satz, den die alte Dame wie viele andere ihrer Generation immer wieder beschwor. War das wirklich möglich? Der Film „Ein deutsches Leben» geht dieser Frage nach. Zwei Stunden lang erzählt die Sekretärin vom NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, von ihren Erinnerungen im trüben Grenzbereich zwischen Verdrängung, Lüge und fatalem politischen Desinteresse.
Für den Wiener Produzenten Christian Krönes ist „Ein deutsches Leben» ein historisches Zeitdokument, gerade noch rechtzeitig gedreht, um nachfolgenden Generationen Einblicke in die Gedankenwelt der damaligen Zeit zu geben. Ende Januar ist Pomsel mit 106 Jahren in München gestorben. Während des Drehs war sie bereits 103 Jahre alt.
Eine zerbrechlich wirkende Dame, in deren freundlichem Gesicht das Leben tiefe Spuren hinterlassen hat. Und die hellwach ist. Eine Frau mit einem messerscharfen Verstand, einem umwerfenden Gedächtnis und der Gabe, ihre Gedanken und Erinnerungen in klare Worte zu fassen. Kaum zu glauben, dass so jemand so wenig mitbekommen haben will.
Andersdenkende, Juden und andere Minderheiten wurden öffentlich gedemütigt und verschwanden, darunter Pomsels Freundin Eva Löwenthal. Die Pogromnacht von 1938, die alltäglichen Grausamkeiten und vor allem die Propaganda, mit der die Nazis die arische Herrenrasse beschworen und Menschen als minderwertig brandmarkten. Doch Pomsel bleibt bei ihrer Aussage: „Das schwöre ich Ihnen, wir haben nichts davon gewusst», bekräftigte sie im vergangenen Sommer im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Warum auch? Schließlich bot das Leben so viel Schönes. Einen angenehmen Job, nette Kollegen und genug Geld für Extravaganzen.
Der Grund für die Ahnungslosigkeit könnte in ihrer Kindheit liegen, vermutete sie. „Gehorchen und ein bisschen schwindeln dabei oder lügen
Source:: Stern - Kultur