Auch die Gegner der Ehe für alle haben heute Fairness verdient
- Deutschland hat die Ehe für alle beschlossen – und der Jubel ist groß
- Doch die Debatte über den Beschluss zeigt: Es fehlt in der Politik an gegenseitigem Respekt
- Dabei haben diesen auch und gerade diejenigen verdient, die unbequeme Meinungen vertreten
Heute ist ein historischer Tag für Deutschland. Der Bundestag hat die „Ehe für alle“ beschlossen. Künftig dürfen auch homosexuelle Paare standesamtlich heiraten. Sie werden die gleichen Rechte genießen, aber auch die gleichen Pflichten haben die heterosexuelle Paare.
Das ist gut und war längst überfällig. Eine „Sternstunde der Demokratie“ war es aber nicht, was sich da heute im Berliner Regierungsviertel abgespielt hat. Das lag weniger an der Materie selbst als an der rhetorischen Brutalität, mit der sich beide Lager bis zum Schluss bekämpften.
Für die einen zerbricht die Gesellschaft, für die anderen versagt Merkel
Da wäre Hans-Peter Friedrich von der CSU zu nennen, der die Twitter-Gemeinde voller Verzweiflung wissen ließ, dass er wegen der „Ehe für alle“ die Auflösung der gesellschaftlichen Ordnung fürchte. Es ist der gleiche panische Duktus, mit dem sein Parteichef Horst Seehofer im Herbst 2015 im Zuge der Flüchtlingskrise einen möglichen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung herbei schwitzte.
In der „FAZ“ veröffentlichte ein weitgehend unbekannter Wissenschaftler ein Pamphlet, in dem homosexuellen Paaren der Kinderwunsch abgesprochen wurde. Und die frühere CDU-Politikerin Erika Steinbach durfte im Bundestag bei ihrer letzten Rede noch einmal ordentlich gegen den Untergang des Abendlandes wettern.
Auf der anderen Seite wären da die unrühmlichen Ausfälle gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu nennen, die zur Überraschung vieler das Thema zu einer Gewissensentscheidung erklärte und somit die Abstimmung noch vor Ende der Legislaturperiode ermöglichte.
Kritik ja – aber mit Respekt
Man kann Merkel gern in der Sache kritisieren. Aber in einer fairen Debatte sollte man auch ihr zugestehen, dass sie ein Recht auf eine differenzierte Meinung hat.
Wer —
Source:: The Huffington Post – Germany
