Sie flogen mit «Tante Ju» senkrecht in den Tod: Piloten setzten keinen Notruf ab
By Marco Latzer
FLIMS GR –
Warum mussten oberhalb von Flims 20 Menschen sterben? Der Absturz der Ju-52 wirft mehr Fragen auf, als er beantworten kann. Die Piloten setzten keinen Notruf ab. Und die traditionsreiche Maschine liefert kaum verwertbare Daten.
Die ersten Meldungen liessen bereits das Schlimmste befürchten. Seit gestern herrscht nun traurige Gewissheit: Von den 20 Menschen an Bord des Ju-Air-Flugs von Locarno TI nach Dübendorf ZH hat niemand überlebt.
Es ist 16.57 Uhr am Samstag, als mehrere Augenzeugen praktisch zeitgleich die Kantonspolizei Graubünden alarmieren. Eine traditionsreiche Junkers Ju-52 mit Baujahr 1939 ist soeben an der Westflanke des Piz Segnas zerschellt. Sofort macht sich ein Grossaufgebot an Rettern auf den Weg zum abgelegenen Stück Fels oberhalb von Flims GR.
Schnelle Gewissheit
Doch schon kurz nachdem die ersten Einsatzkräfte eingetroffen sind, steht fest: Das ist keine Rettungsaktion, sondern nur noch eine Bergungsmission. Die elf Männer und neun Frauen in der Maschine im Alter zwischen 42 und 84 Jahren sind schon tot. Sie hatten keine Chance.
Denn die „Tante Ju», so der Kosename des Fliegers, hat sich senkrecht und mit hoher Geschwindigkeit regelrecht in den Fels gebohrt. Vom metallenen Trümmerhaufen auf 2540 Meter Höhe erinnert nur noch das Heck mit dem Kennzeichen HB-HOT an die Überreste des Flugzeugs.
Ju-Chef versuchte, Trost zu spenden
Ju-Air-Geschäftsführer Kurt Waldmeier fährt, als ihn die Schreckensmeldung erreicht, sofort an den Flughafen Dübendorf. „Ich habe versucht, den Angehörigen Trost zu spenden. So viel Trost, wie man in einer solchen Situation eben spenden kann», sagt der Mann, der die als Verein organisierte Klein-Airline vor 36 Jahren mitgegründet hat. Er ist im Gespräch mit BLICK mehrmals den Tränen nahe.
Besonders schlimm: Waldmeier, selbst leidenschaftlicher Pilot, kann auf die drängenden Fragen der verzweifelten —
Source:: Blick.ch – Schweiz