Aufmüpfige Steirer? „Das ist Geschichte“

By daniela.kittner@kurier.at (Daniela Kittner)

Politische Querschüsse zählten lange als steirischer Brauch. Doch der schwindet mit dem Bedeutungsverlust der Länder.

Sie waren eine Gruppe aufstrebender Jungschwarzer und gefielen sich in der Rolle aufmüpfiger Querdenker mit radikalen Visionen. Bernd Schilcher hieß etwa einer von ihnen. Schilcher forderte schon die Ganztagsschule, als die ÖVP noch gegen „Zwangstagsschulen“ vom Leder zog.

Ein anderer war der wortgewaltige Gerhard Hirschmann (er ist kürzlich verstorben). Hirschmann rieb sich am damals noch heiligen Föderalismus und forderte, die neun Bundesländer in drei Regionen zusammenzufassen. Wütende Proteste aus der eigenen Partei waren ihm gewiss.

Die Gruppe, zu der auch der heutige Investor und Unternehmensberater Herbert Paierl zählt, trieb es unter der schützenden Hand von Landeshauptmann Josef Krainer wirklich bunt. Unerreichter Höhepunkt der Provokation: 1988 stellten acht steirische ÖVP-Nationalratsabgeordnete gegen den eigenen ÖVP-Verteidigungsminister Robert Lichal im Parlament einen Misstrauensantrag. Sie protestierten damit gegen die Stationierung von Abfangjägern, die sie „Schrottgeier“ nannten. Die SPÖ rettete Lichal damals vor der Abwahl im Nationalrat.

Granteln über den Semmering

Die Mehrzahl der steirischen Revolten betraf die ÖVP – aber nicht nur. Auch Krainers Nach-Nachfolger, SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves, grantelte über den Semmering. „Mit einer Nichtlinie und einem ,Ja, aber‘-Kurs kann man keine Wahl gewinnen“, richtete Voves dem damaligen SPÖ-Kanzler Werner Faymann aus.

Bis heute legendär ist, wie Voves Alfred Gusenbauer kurz nach dessen Angelobung düpierte. „Der Bundeskanzler will mich sprechen? Ist etwas spät. Ich kann jetzt nicht, ich bin in einer Pressekonferenz“, beschied Voves grantig seinem verdatterten Sekretär, als dieser ihn zum Telefonieren aus dem Raum holen wollte. Die Szene spielte sich vor laufenden Kameras ab und wurde

Source:: Kurier.at – Politik

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