„Mr. Europa“ Juncker: „Ich bin überhaupt kein Europa-Romantiker“

By ingrid.steiner@kurier.at (Ingrid Steiner-Gashi)

Der scheidende EU-Kommissionschef über Fehler und Erfolge seiner Amtszeit, warum die EU nicht wie ein „hoffnungsloser Hühnerhaufen“ handeln soll und seine Begeisterung für Rilke.

Aus dem sach- und faktengetriebenen Politikbetrieb in Brüssel stach er immer schon hervor: Jean-Claude Juncker, Chef der Europäischen Kommission, mit Hang zu schrägen Begrüßungen: „Hallo Diktator“, rief er Ungarns Premier Viktor Orban einst entgegen. Seine Begrüßungsküsschen (auch auf die baren Häupter europäischer Politiker) sind legendär. In einigen Wochen endet die Amtszeit des glühenden Europäers und jenes Mannes, der die EU kennt wie kaum ein anderer.

In seinem Büro im 13. Stock des riesigen Berlaymont-Gebäudes hat Juncker bereits begonnen, aufzuräumen und viele seiner unzähligen Bücher zu verschenken. Der KURIER traf (Begrüßungsküsschen inklusive) einen launig-selbstironischen, aber auch nachdenklichen EU-Präsidenten, dem der Brexit als wohl größte Enttäuschung seiner Amtszeit nach wie vor zu schaffen macht.

KURIER: In wenigen Wochen endet Ihre Amtszeit. Im Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre, die nicht gerade arm waren an Krisen – mit welchem Gefühl gehen Sie?

Jean-Claude Juncker: Mit Erleichterung, weil das kein vergnügungssteuerpflichtiger Job ist. Ich gehe nicht unzufrieden, aber auch nicht unbesorgt, weil nicht alles, was ich mir vorgenommen habe, gemacht werden konnte. Viele Konfliktzonen stießen aufeinander. Und man ist im Amt des Kommissionspräsidenten, wenn es Spitz auf Knopf steht, auch oft allein. Ich habe einen hervorragenden Mitarbeiterstab, das federt ab. Ich will jetzt nicht so tun, als ob ich leidend und gefoltert durch die Gegend gegangen sei, aber manchmal muss man schon einsame Entscheidungen treffen und sie gegen Regierungschefs, Kommissare und Parlamentarier durchsetzen. Das ist nicht immer angenehm.

Was war so eine einsame Entscheidung?

Griechenland in der Eurozone zu halten. Das musste ich gegen den

Source:: Kurier.at – Politik

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.